SEO-Sichtbarkeitskennzahl „Online Value Index (OVI)“ von XOVI außer Rand und Band

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Es ist Montagmorgen. Das bedeutet: Zeit, die neuen SEO-Rankingwerte mit dem von mir genutzten SEO-Analysetool XOVI zu checken. Bei den meisten beobachteten Domains zeigte sich außer den üblichen Schwankungen nichts Auffälliges. Doch bei einigen kleinen Domains ging der Sichtbarkeitsindex von XOVI, der dort „Online Value Index (OVI)“ heißt, so dermaßen durch die Decke, dass ich misstrauisch wurde und ein wenig genauer hingesehen habe.

2.984 Prozent Sichtbarkeitssteigerung in einer Woche

Zur Verdeutlichung habe ich vier kleine Websites herausgesucht, von denen ich außer den Sichtbarkeitswerten auch alle anderen Online-Marketing-Kennzahlen kenne.

Online-Value-Index (OVI) für einige ausgewählte Domains

Wie man im Diagramm erkennen kann, weist XOVI quasi aus heiterem Himmel für diese vier Domains beachtliche Steigerungen der deutschen Suchmaschinensichtbarkeit aus.

Das klingt zu gut, um wahr zu sein. Würden die Zahlen tatsächlich stimmen, müsste ich grob überschlagen auf marketingblogger.de ab jetzt schlagartig ca. 30-mal mehr Besucher haben als bisher. Noch lässt dieser extreme Besucherandrang jedoch auf sich warten.

Vergleich mit den Sichtbarkeitskennzahlen anderer SEO-Tools

Um noch eine zweite und dritte Meinung einzuholen, habe ich die aktuellen OVI-Werte mit den Sichtbarkeitskennzahlen von zwei anderen SEO-Tools verglichen, und zwar dem SISTRIX Sichtbarkeitsindx und dem SEOlytics Visibility Rank (SVR). Die verschiedenen Indexwerte der jeweiligen Website lassen sich aufgrund der völlig unterschiedlichen Berechnung zwar nicht direkt miteinander vergleichen. Doch theoretisch müssten zumindest die Verhältnisse der verschiedenen Websites zueinander sowie die Rangfolge, für jeden Sichtbarkeitsindex einzeln betrachtet, in etwa übereinstimmen. Das tun sie jedoch nicht so richtig.

  XOVI SISTRIX SEOlytics
marketingblogger.de 116,583
(Rang 1)
0,10
(Rang 1)
0,1319
(Rang 1)
selbstmarketing-praxis.de   25,905
(Rang 2)
0,01
(Rang 3)
0,00003
(Rang 4)
michael-van-laar.de   24,357
(Rang 3)
0,00
(Rang 4)
0,0008
(Rang 3)
i-fom.de     7,060
(Rang 4)
0,02
(Rang 2)
0,0035
(Rang 2)

Laut SEOlytics liegt zudem die Sichtbarkeit der Domain marketingblogger de ziemlich genau in der Mitte zwischen der Sichtbarkeit von mediadonis.net und der Sichtbarkeit von adbutler.de. Diese Einschätzung dürfte der Realität schon deutlich näher kommen als die Zahlen von XOVI. Wie die folgende Tabelle zeigt, stützt auch der SISTRIX Sichtbarkeitsindex diese Aussage, wenn auch mit etwas anderen Abständen der Domains zueinander.

XOVI SISTRIX SEOlytics
adbutler.de     4,102
(Rang 2)
0,79
(Rang 1)
0,2335
(Rang 1)
marketingblogger.de 116,583
(Rang 1)
0,10
(Rang 2)
0,1319
(Rang 2)
mediadonis.net     2,632
(Rang 3)
0,02
(Rang 3)
0,0647
(Rang 3)

Auch der Vergleich der restlichen drei getesteten Domains mit den beiden Vergleichsdomains haribo.de und suchmaschinenoptimierung.de zeigt deutlich die Unstimmigkeiten.


XOVI SISTRIX SEOlytics
suchmaschinenoptimierung.de     9,485
(Rang 3)
0,13
(Rang 2)
0,0465
(Rang 1)
i-fom.de     7,060
(Rang 4)
0,02
(Rang 3)
0,0035
(Rang 2)
haribo.de     3,387
(Rang 5)
0,37
(Rang 1)
0,0021
(Rang 3)
michael-van-laar.de   24,357
(Rang 2)
0,00
(Rang 5)
0,0008
(Rang 4)
selbstmarketing-praxis.de   25,905
(Rang 1)
0,01
(Rang 4)
0,00003
(Rang 5)

Es ist leicht zu erkennen, dass die Domains marketingblogger.de, selbstmarketing-praxis.de und michael-van-laar.de von XOVI deutlich überbewertet werden. Woran liegt das nun?

Die Keyword-Basis des „Online Value Index (OVI)“

Im Gegensatz zu den anderen Sichtbarkeitskennzahlen kann die Keyword-Basis, die für die OVI-Ermittlung herangezogen wird, von allen XOVI-Nutzern erweitert werden. Das hat den Vorteil, dass man als XOVI-Nutzer mit dem OVI kleinere Sichtbarkeitsveränderungen auch bei Websites sehr gut verfolgen kann, die sich um Spezialthemen drehen und die daher naturgemäß mit (im Vergleich zu „private Krankenversicherung“ und Co.) seltener gesuchten Keywords gefunden werden sollen.

Der Nachteil dieses Vorgehens ist allerdings, dass nach größeren Nischen-Keyword-Einpflege-Aktionen nicht nur der OVI der eigenen Websites in der Regel einen gewaltigen Sprung nach oben macht. Diese Veränderung des Keyword-Pools schlägt sich natürlich auch auf alle anderen Websites aus diesem Themengebiet durch. Nutzer, die von einer umfangreichen Erweiterung ihrer Themen-Keywords durch einen anderen XOVI-Nutzer nichts wissen, können dann schon einmal verwundert sein, wenn die Sichtbarkeit kleinerer Websites plötzlich einen Niveausprung vollzieht.

Damit die Keyword-Basis von XOVI nicht massenhaft mit nie gesuchten oder sinnlosen Keywords überschwemmt wird, filtert XOVI die Keyword-Vorschläge der Nutzer.

„Wir spielen daher ab sofort nur noch Keywords in die Datenbank ein, die ein Suchvolumen von mind. 50 (Übereinstimmungstyp "Exakt") pro Monat haben und den Nutzern einen wirklichen Mehrwert bringen.“
Quelle: XOVI

Hinsichtlich des Suchvolumens sollten die von XOVI verwendeten Keywords also gewissen Qualitätskriterien genügen. So wie ich es verstehe bedeutet das: Long Tail – ja. Extremer Long Tail – nein.

Doch genau hier liegt offenbar eine der Ursachen der oben gezeigten extremen Sprünge des OVI. Allein bei marketingblogger.de weist XOVI für die letzte Woche 176 neue Platz-1-Rankings aus. Doch beinahe alle werden laut Google-Keyword-Tool weniger als zehnmal pro Monat gesucht. Ein Teil dieser neuen Keywords fällt zudem nicht unbedingt unter die Kategorie „sinnvoll“. Eigentlich dürften diese Keywords gar nicht in der XOVI-Datenbank enthalten sein, zumindest nicht hinzugefügt von anderen XOVI-Nutzern.

Da sich unter den neuen Keywords allerlei seltsame Kombinationen oder auch Falschschreibungen finden, glaube ich auch kaum, dass diese Keywords von anderen XOVI-Nutzern hinzugefügt wurden. Wer hätte beispielsweise ein Interesse daran, Phrasen wie „michael van llar“ oder „pedelec van laar“ in die Keyword-Basis von XOVI aufnehmen zu lassen?

Die Berechnung des „Online Value Index (OVI)“

Die zweite Ursache für die OVI-Sprünge liegt offenbar in der Berechnung des OVI.

„Der Online Value Index (OVI) zeigt den tatsächlichen Wert einer Domain in der Suchmaschine Google auf Basis unseres deutschen Datenbestandes. Zur Berechnung des OVI werden zum einen die exakte Platzierung eines Keywords heran gezogen, als auch die Qualität des Keywords betrachtet.“
Quelle: XOVI

Doch genau mit dieser Bewertung der Keyword-Qualität scheint es Probleme zu geben. Ich weiß zwar nicht, wie die Berechnung genau funktioniert, doch das Suchvolumen sollte in irgendeiner Weise als Qualitätskriterium einfließen. Denn es ist nur logisch, dass eine Keyword-Phrase, die weniger als zehn Mal im Monat gesucht wird, in einen Sichtbarkeitsindex nur mit einer sehr, sehr niedrigen Gewichtung eingehen sollte.

Offensichtlich passiert beim OVI jedoch genau das nicht. Augenscheinlich wurden in der letzten Woche sehr viele sehr selten gesuchte Keyword-Kombinationen in die XOVI-Datenbank aufgenommen. Das wäre kein Problem, wenn diese Keyword-Kombinationen aufgrund ihres äußerst geringen Suchvolumens den OVI nicht großartig beeinflussen würden. Tun sie aber ganz offensichtlich doch.

Und was heißt das jetzt?

Gute Frage. Ich bin ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits gefällt mir das Konzept der Keyword-Basis-Erweiterbarkeit durch die XOVI-Nutzer. Und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis von XOVI ist äußerst attraktiv. Andererseits sagt der Sichtbarkeitsindex von XOVI nur wenig aus, wenn das Suchvolumen nicht angemessen bei der Sichtbarkeitsindex-Berechnung berücksichtigt wird. Und da ein solcher Sichtbarkeitsindex eine der zentralen Funktionen eines SEO-Tools darstellt, sollten dessen Werte – im Rahmen der Möglichkeiten – auch ein halbwegs nachvollziehbares Abbild der Realität liefern.

Haben andere XOVI-Nutzer in jüngster Vergangenheit ähnliche Erfahrungen mit den OVI-Werten ihrer Websitesgemacht?
Kommentare und Erfahrungsberichte erwünscht.


Kommentare


fastblogger

Kommentar Nr. 1 · Monday, 14. June 2010, 13:54 Uhr

Der OVI scheint mir zur Bewertung von Domains nicht wirklich geeignet. Meiner Meinung nach haben die Betreiber von XOVI die Begriffe und das damit zusammenhängende Abfragevolumen nicht im Griff. Mich wundert es, dass nun eine neue Keyword-DB hinzugefügt worden ist, aber die Daten nicht für den OVI verwendet werden.... Es scheint so - kann jeder selber gerne abgleichen - , dass hierbei v.a. die Zahlen von Google Adwords abgefragt und ausgegeben werden. Deshalb sind die Zahlen selbst im XOVI nicht für den Betreiber nutzbar.


Xovi

Kommentar Nr. 2 · Monday, 14. June 2010, 14:27 Uhr

Hallo Michael,

danke für den interessanten Beitrag. Vielleicht erklären wir hier kurz etwas zu Xovi, da das sicherlich Deine Leser interessieren dürfte:

Uns geht es bei Xovi in erster Linie darum, dass wir auch für kleinere Webseiten mit weniger Rankings „ordentliche“ OVI´s aufweisen können. Daher sind die Kriterien für einen guten OVI nicht so streng wie bei dem ein oder anderen Anbieter, da unserer Meinung nach sonst kaum ein Vergleich möglich ist. (wenn beispielsweise 2 Domains die man vergleichen möchten einen Wert (Dependance zum OVI) von 0,10 und 0,12 haben, ist das ziemlich schwer festzustellen, welche Domain tatsächlich „besser“ ist und das kommt eben auch oft bei Domains vor, die in ihren jeweiligen Bereichen viel Top Rankings haben, weil eben zu wenig rankende Keywords in die Bewertung mit einbezogen werden – bei uns sind dies alle Keywords.
Geschätzte 90 % der Domains haben eben nicht 500 Rankings und mehr und da wollen wir eben auch OVI-Werte liefern können, die eben mind. 1 – oder sogar 2-stellig sind.

Bzgl. OVI Berechnung: Was wir nicht machen, ist z.B. Handy anders bewerten als Fliesen, da beide Begriffe ein hohes Suchvolumen aufweisen (lt. Google External Tool haben Fliesen sogar sehr hohes Suchvolumen). Einen Handwerker interessiert der Begriff PKV nicht wirklich, bzw. ist für ihn nicht wertvoller als das Keyword Fliesen, wenn er eben im Bereich Fliesen & Co. unterwegs ist. Das Suchvolumen wird übrigens nicht in der Bewertung des OVI berücksichtigt.

In bestimmten Bereichen haben wir extrem viele Keywörter in der Datenbank (Bsp. alles rund um Versicherungen, Telefon, Handy, DSL, Kredite etc.) – da kann es eben dann auch dazu kommen, dass wir einen vergleichsweise höheren OVI ausweisen.

Solche extremen Sprünge kommen eigentlich nur sehr selten vor, eben dann, wenn jemand viele neuen Keywords mit Suchvolumen einspielt. Da wir aber jetzt beim Einspielen auf das Suchvolumen weitgehend achten und wir mittlerweile eine sehr große Keyworddatenbank haben, sind das wirklich Ausnahmen. Außer Du hast mit PR 8 Links gearbeitet die mal Deine Seiten extrem anheben und spielst in dieser Zeit noch ein paar neue Keywords ein, mit denen Deine Seite rankt .

Mittel- und langfristig hast Du es dann natürlich wieder besser, da Du sämtliche Keyword beobachtest mit denen Deine Seite rankt.

Wir haben eben diesen Ansatz bei der Berechnung des OVI so gewählt, dass wir mittel- und langfristig keine Werte „verkünsteln“ oder mit irgendwelchen eigenen Faktoren Keywords bewerten, sondern eben mit den Rankings eines Einzelkeys, Zweier-Kombi, 3er Kombis usw., sprich ein Einzel-Keyword ist mehr wert als ein Longtail-Keyword und deutlich mehr als ein 3er, 4er usw. Das gleiche gilt auch für die Überwachung eigener Keywords und die der Mitbewerber, um noch besser auf sämtliche Veränderungen reagieren zu können.

Es ist doch auch gut, wenn jeder Anbieter einen etwas anderen Ansatz hat. Wäre doch wirklich schade, wenn alle Tool-Anbieter das komplett gleiche auswerten und anzeigen würden und die User dann nicht alles aus verschiedenen Perspektiven haben.


Michael van Laar

Kommentar Nr. 3 · Monday, 14. June 2010, 15:00 Uhr

@XOVI: Danke für die Ausführliche Erklärung. Allerdings frage ich mich, wie dann offenbar in der letzten Woche sehr viele Keywords mit einem Suchvolumen unter 50 Suchen pro Monat von Nutzern überhaupt hinzugefügt werden konnten. Im Tool selbst steht ja, dass es gewisse Mindestanforderungen hinsichtlich des Suchvolumens gibt. Wird das bei neuen Keyword-Vorschlägen nicht automatisch vom System überprüft?