Getting nix done: Dieses Chaos muss ein anderes werden

[An dieser Stelle würden Sie einen Facebook-„Gefällt mir“-Button sehen – wenn Deutschland nicht das Land der ausufernden Datenschutz-Paranioia wäre.]

Schon seit Wochen, eigentlich eher seit Monaten, habe ich das Gefühl, zu Hause nichts auf die Reihe zu bekommen. Es gibt viel zu tun, ich nehme mir viel vor – aber es will einfach nichts fertig werden. Dabei bin ich eigentlich ein sehr organisierter Mensch. Sowohl im Büro als auch privat setze ich David Allens „Getting Things Done“-Methode ziemlich konsequent um. Was im Berufsleben gut klappt, scheitert im Privatleben allerdings vor allem an der zur Verfügung stehenden Zeit.

Auch die beste Produktivitätsmethode kann leider nicht den 48-Stunden-Tag herbeiführen. Und das mit dem Delegieren funktioniert zu Hause auch nicht. Daraus folgt: Prioritäten setzen und bestimmte Dinge unerledigt lassen, ist die einzig verbleibende Möglichkeit. Das ist jedoch ebenfalls unbefriedigend, denn ich hasse es, Dinge unerledigt liegen lassen zu müssen. Um also nicht ständig mit einem schlechten Gewissen herumlaufen zu müssen, muss etwas passieren.

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Es mag für viele Leser mehr als nur ein wenig befremdlich wirken, aber für die nächsten Wochen und Monate werde ich eine lückenlose Zeiterfassung betreiben. Nicht nur für meine beruflichen Aktivitäten, sondern immer und überall. Egal ob Frühstück, Schlaf oder Frühjahrsputz – alles wird erfasst. Ich möchte nämlich genau wissen, wofür meine Freizeit draufgeht. Denn für eine realistische Einschätzung, was überhaupt möglich ist, ist es unumgänglich, sein verfügbares Zeitbudget zu kennen.

Toggl iPhone App

Für diese Zeiterfassung nutze ich Toggl, einen praktischen und vor allem sehr einfach zu bedienenden Webservice. Die Zeiterfassung erfolgt dabei wahlweise auf der Website, mithilfe eines kleinen Desktop-Programms oder per iPhone-App. Die kostenlose Variante reicht für meine Zwecke vollkommen aus. Zeiteinträge lassen sich Kategorien zuordnen und mit Tags versehen. Verschiedene Reports sorgen für den nötigen Überblick.

Schritt 2: Erwartungen herunterschrauben

Zeitplan

Das permanente Gefühl, nicht hinterherzukommen, rührt vor allem daher, dass ich Dinge nicht schaffe, die ich mir vornehme. Die einzige Möglichkeit, diesem schlechten Gewissen Herr zu werden, ist das Gar-nicht-erst-Vornehmen von Aufgaben. Dazu habe ich eine Tabelle mit einem idealisierten-Wochenzeitplan aufgestellt. Auf Basis der Zeiterfassung wird dieser später noch ein wenig angepasst.

Diese Übersicht ist kein starrer Terminplan, den es einzuhalten gilt. Das ist weder möglich noch sinnvoll. Ziel der Zeitaufstellung ist es, die verfügbaren Freiräume einschätzen zu können. Denn es bringt nichts, wenn ich mir vornehme, jeden Abend zwei Stunden an meiner Musik zu basteln, wenn ich nach realistischer Abschätzung überhaupt nur eine Stunde Freizeit pro Abend habe.

Aktuell sieht es so aus, dass ich einige meiner täglichen Vorsätze wohl auf unbestimmte Zeit verschieben muss. Wochentags habe ich maximal eine Stunde Freizeit pro Abend. Pro Wochenende sind maximal fünf Stunden für Hobbys drin – allerdings auch erst, wenn unsere Wohnung fertig eingerichtet ist. Da werden der Relaunch von michael-van-laar.de, die Neuauflage von marketingblogger.de, das Spanischlernen, die Musikproduktion und noch einiges mehr wohl noch auf ihre Realisierung warten müssen. 

Schritt 3: Umsetzung mit GTD

Toodledo iPhone App

Nach wie vor werde ich für die Erreichung meiner verbleibenden Ziele das GTD-System nutzen. Als GTD-Werkzeug nutze ich Toodledo, einen Webservice zur Aufgabenverwaltung, der sehr stark auf die GTD-Methodik ausgerichtet ist. Obwohl die Weboberfläche alles andere als schick ist, kann ich Toodledo jedem empfehlen, der das GTD-System mit elektronischer Hilfe umsetzen möchte. Auch für Toodledo gibt es eine praktische iPhone-App. Aufgabenlisten, Kontexte und Ziele der verschiedenen Stufen (kurzfristig, langfristig und lebenslang) lassen sich damit bequem von Unterwegs verwalten.


Kommentare


Daniel Rehn

Kommentar Nr. 1 · Monday, 14. March 2011, 12:32 Uhr

Na da drücke ich schon jetzt die Daumen und bin gespannt, ob du in ein paar Wochen einen Erfolg in puncto Zeitmanagement vermelden kannst ;)


Karl

Kommentar Nr. 2 · Sunday, 20. March 2011, 20:39 Uhr

Ich habe auch das Problem, dass ich mein Privatleben nicht so ganz in den Griff bekomme. Beruflich schaffe ich immer alle Aufgaben pünktlich und zuhause habe ich Probleme, dass mir der Druck von oben fehlt und ich daher die Dinge vor mir her schiebe. Ich muss auch mal versuchen, die Sachen besser in den Griff zu bekommen, weiß aber nicht wie.


Malte

Kommentar Nr. 3 · Tuesday, 29. March 2011, 10:41 Uhr

Das Problem ist ja wohl allseits bekannt :D Aber ist es wirklich leichter, das ganze mit recht aufwendig aussehenden Programmen in den Griff zu bekommen?


Sascha

Kommentar Nr. 4 · Sunday, 3. April 2011, 01:51 Uhr

Mehr Spaß als mit den normalen Task Programmen macht es mit epicwin (iPhoneApp), da hab ich wenigstens ein bisschen Motivation.


Karl

Kommentar Nr. 5 · Tuesday, 19. April 2011, 13:33 Uhr

Ich drücke die Daumen, dass es wieder besser läuft privat. Pech zu Hause, Glück in der Firma? Lässt sich bestimmt polieren, diese Aussage ;)


Martina Roters

Kommentar Nr. 6 · Wednesday, 4. May 2011, 19:36 Uhr

2 Dinge möchte ich hier gern anmerken:

1) Es kommt nicht von ungefähr, dass das, was im Beruf funktioniert, zu Hause nicht genauso läuft. Unser "inneres Kind" fühlt sich zu kurz gekommen und sabotiert! Und es ist ja nun mal häufig so, dass die Aufteilung Beruf/Persönliches häufig in einer Schieflage ist ("1 Std. maximale Freizeit pro Abend, 5 Stunden am WE" ).

2) Die Dinge, die wir schon lange unerledigt herumtragen, nehmen an "Gewicht" zu und hängen an uns (Übliche Verdächtige: . Und zwar so sehr, dass Außenstehende nur mit dem Kopf schütteln können, wieso "Ding X", das in 1 Std. zu erledigen wäre, für uns ein echtes Problem darstellt, das wir schon 3 Wochen immer wieder aufschieben. Ich hab' es in meinem Buch mal mit "Wackersteinen im Wanderrucksack" verglichen. Und da hilft alles nichts: Die muss man mit einem Kraftakt beseitigen!
Und da können solche elektronischen Programme ein anspornendes Hilfsmittel sein - vorausgesetzt, man verfügt über eine korrekte Sicherung der Programminhalte (;-)

Ich drück die Daumen, dass alles klappt, die Zeiterfassung ist ein guter Anfang!


Max

Kommentar Nr. 7 · Friday, 13. May 2011, 12:12 Uhr

Es gibt einfach kein Patentrezept. Das einzige, was halbwegs hilft: Man schraubt seine Erwartungen herunter und ist glücklicher über das, was man geschafft hat. Ansonsten muss jeder seinen individuellen Weg finden...


Bloggen für Zeiterfassung

Kommentar Nr. 8 · Saturday, 14. May 2011, 17:01 Uhr

Ach, es geht anderen auch so. Gottseidank.
Zum Spanisch lernen: schau dir mal die Birkenbihl-Methode an. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und vielleicht nicht für alles geeignet, aber ich hatte mit minimalem Aufwand wirklich erstklassige Ergebnisse.
Mach das mit der Zeitinventur nicht zu lange. Eigentlich weiß man ja, wie, wann und wo man trödelt :-) Lieber eine to do-Liste mit wichtig und dringlich machen.
Was ich dazu ganz interessant fand: Seiwert - Zeitmanagement; der Zeitmanagement-Experte im deutschsprachigen Raum schlechthin und dazu gibt's auch noch ein Hörbuch :-)
Viel erfolg,


Robert Nabenhauer

Kommentar Nr. 9 · Friday, 27. May 2011, 20:14 Uhr

ich schließe mich da meinem Vorredner an - eine to do -Liste finde ich auch effektiver
Gruss Robert Nabenhauer http://www.xing-erfolgreich-nutzen.com/


Oliver

Kommentar Nr. 10 · Monday, 30. May 2011, 16:24 Uhr

Danke für den Beitrag! Ich bin ein Fan der Planung und Optimierung, zugegeben, es klappt manchmal, deswegen sind solche Posts immer herzlich willkommen bei mir.


Lisi

Kommentar Nr. 11 · Monday, 30. May 2011, 17:14 Uhr

Mit dem Können wachsen die Ansprüche und so werden wir alle nie glücklich, wenn wir nicht einfach einsehen, dass alles endlich und begrenzt ist. Wahre Freude ist Freundschaft, Liebe und Sehnsucht! So wird man einzig und allein glücklich


Marc

Kommentar Nr. 12 · Wednesday, 1. June 2011, 09:46 Uhr

Stimme nahezu allen Schreibern zu. Jedoch ist das Leben nicht nur eine einzige ToDo-Liste. Hinterfragen der auftretenden Aufgaben und gewichten dieser im Vergleich zu anderen Dingen, die einem das Leben versüßen können, das ist das Schwierige.


Max

Kommentar Nr. 13 · Thursday, 23. June 2011, 11:33 Uhr

Stimme Marc (und einigen anderen) unbedingt zu. Häufig erledigt man ja durchaus sinnvolle Aufgabe, die auch erledigt werden mussten. Allerdings verdrängt man dadurch die wirklich wichtigen Tasks... Nach dem Motto: Na das Zimmer habe ich ja schon länger nicht mehr geputzt! Prokrastination pur.


Martina

Kommentar Nr. 14 · Sunday, 10. July 2011, 15:37 Uhr

Als Queen des prokrastinierens kann ich aus dem Artikel einiges mitnehmen. Aber erst lese ich nochmal ein paar andere Beiträge ;-)


Johannes

Kommentar Nr. 15 · Tuesday, 26. July 2011, 17:08 Uhr

Meine ehemalige Controlling-Professorin erzählte uns mal etwas von vier Kästchen. Oben links "wichtig & dringend", unten links "wichtig", oben rechts "wichtig, aber nicht dringend", unten rechts "nicht wichtig und nicht dringend". Dann einfach alles eintragen, was man so machen muss/möchte und dann kann es auch im Privaten losgehen. "Wichtig" kann übrigens auch eine Sache sein, die Spaß macht oder so :-P


Daniel

Kommentar Nr. 16 · Saturday, 6. August 2011, 23:06 Uhr

Danke für den ausführlichen Bericht! Ich denke die große Herausforderung besteht darin, die richtigen Präferenzen zu setzen. Man sollte stets wissen, was "wichtiger" ist und sich voll und ganz darauf konzentrieren. Zudem sollte man Erfahrungswerte mitbringen und wissen, wie viel Zeit man für verschiedene Tätigkeiten einplanen muss.


Berlin

Kommentar Nr. 17 · Sunday, 14. August 2011, 16:16 Uhr

Leider kann man die Tabelle nicht lesen. Ansonsten nette Idee.


Moritz

Kommentar Nr. 18 · Friday, 19. August 2011, 17:03 Uhr

Und wie lief dein Vorhaben bisher? Hast du die "Zeitfresser" orten können?! ;)


Bernd

Kommentar Nr. 19 · Wednesday, 24. August 2011, 20:32 Uhr

Das ist schrecklich mit den Zeitfressern - die lauern überall! Also demnach wünsche ich allen eine erfolgreiche Suche!


Dialogmarketing

Kommentar Nr. 20 · Friday, 23. September 2011, 10:18 Uhr

Die Einleitung ist mir nur allzu bekannt... sehr auf den Punkt gebracht!
Gibt es denn schon ein Fazit bezüglich Ihrer "Zeiterfassung" ?? : )


Michael K

Kommentar Nr. 21 · Monday, 7. November 2011, 00:19 Uhr

das Problem ist mir auch bekannt, wem eigentlich nicht? Ich werde das Tool auch mal testen, so kann es nun wirklich nicht weiter gehen. Gruss und viel Erfolg


Max

Kommentar Nr. 22 · Friday, 18. November 2011, 18:07 Uhr

Eigentlich wollte ich ja einen langen Kommentar schreiben, der beinhaltet, wie gut ich den Beitrag finde. Aber dann musste ich noch Essen kochen, duschen, 4 Mails beantworten.... :D


Shadi

Kommentar Nr. 23 · Sunday, 11. December 2011, 18:56 Uhr

Ich habe mir Toodledo runtergeladen und jetzt setze ich es regelmäßig ein. Nicht schlecht! Kann es auch auf mein iPad jetzt benützten. Klasse!

Danke für den Link.
Grüße, Shadi


Harley

Kommentar Nr. 24 · Monday, 12. December 2011, 11:03 Uhr

Das Tool sieht nett aus - werde es mir mal aufs frisch eingetroffene iPad2 schieben.

Gruß Martin


Dieter

Kommentar Nr. 25 · Sunday, 18. December 2011, 11:53 Uhr

Ob der Tatsache, dass es schon länger keinen neuen Eintrag mehr gab, scheint es mir so zu sein, dass das mit der Stressbewältigung nicht ganz geklappt hat. Oder täusche ich mich da? Es würde mich dennoch freuen, bald wieder Neues von diesen Seiten zu hören!


Dirk

Kommentar Nr. 26 · Sunday, 18. December 2011, 11:57 Uhr

Vielleicht ein guter Vorsatz für das neue Jahr?


Sandra-JGA

Kommentar Nr. 27 · Monday, 19. December 2011, 00:45 Uhr

Was wurde nun aus dem Zeitfresser?


directory submission service

Kommentar Nr. 28 · Wednesday, 11. January 2012, 06:33 Uhr

I am very happy to discover your post as it will become on top in my collection of favorite blogs to visit. Brilliant article my friend, but could you teach me more detail about your post.